Stiftung Warentest, Morgen & Morgen, Franke & Bornberg und weitere Institute veröffentlichen regelmäßig Testergebnisse zur Berufsunfähigkeitsversicherung. Was hinter den Noten steckt, wo die Institute sich unterscheiden - und warum eine Testnote allein nie die ganze Entscheidung sein sollte.
Die wichtigsten Tests kommen von Stiftung Warentest, Morgen & Morgen, Franke & Bornberg, dem DFSI, Ascore und dem IVFP. Jedes Institut setzt eigene Schwerpunkte bei der Bewertung.
Für Verbraucher, die sich erstmals mit dem Thema BU befassen, ist die schiere Zahl an Testinstituten und Bewertungsskalen zunächst verwirrend: 5 Sterne bei Morgen & Morgen bedeuten etwas anderes als „Sehr gut" bei Stiftung Warentest, und ein FFF-Rating bei Franke & Bornberg lässt sich nicht direkt mit einem Scoring-Wert von Ascore vergleichen. Grundsätzlich gilt aber: Alle Institute bewerten letztlich dieselben zugrunde liegenden Bedingungsmerkmale - lediglich Gewichtung, Darstellung und Zielgruppe unterscheiden sich.
| Institut | Schwerpunkt | Bewertungsskala |
|---|---|---|
| Stiftung Warentest | Bedingungen (75 %), Beitrag, Gesundheitsfragen | Sehr gut bis Befriedigend |
| Morgen & Morgen | Vertragsbedingungen im Detail | 1 bis 5 Sterne |
| Franke & Bornberg | Bedingungen + finanzielle Stabilität | FFF bis F (mit Stabilitätsrating) |
| DFSI | Berufsgruppenspezifische Bewertung | Punktesystem |
| Ascore | BU-Produkt-Scoring nach Kundengruppen | Scoring-Punkte |
| IVFP | Rating für Selbstständige BU (SBU) je Berufsgruppe | Sterne-Rating |
Diese Vielfalt an Testansätzen erklärt sich auch historisch: Als der BU-Markt komplexer wurde und immer mehr Anbieter mit unterschiedlichsten Bedingungswerken um Kunden warben, reichte ein einzelner Verbrauchertest bald nicht mehr aus, um alle relevanten Nuancen abzubilden. Spezialisierte Ratingagenturen wie Morgen & Morgen oder Franke & Bornberg entstanden gezielt, um Maklern und Beratern detailliertere Analysewerkzeuge an die Hand zu geben, als es ein für Verbraucher aufbereiteter Test wie Finanztest leisten kann. Für Privatpersonen empfiehlt sich daher häufig ein Blick auf mehrere Quellen, statt sich allein auf ein Institut zu verlassen - besonders bei einer so langfristigen und finanziell bedeutsamen Entscheidung wie dem Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung.
Im aktuellen BU-Vergleich der Stiftung Warentest (Finanztest 6/2026) wurden 56 Angebote verschiedener Versicherer geprüft, unter anderem von Baloise, CosmosDirekt, Europa, Hannoversche und HDI. Die Qualitätsurteile reichen von „Sehr gut" bis „Befriedigend". Für die Bewertung werden Jahresbeiträge für vier Modellkunden im Alter zwischen 20 und 30 Jahren mit unterschiedlichen Berufen, Berufsrisiken und Rentenhöhen herangezogen - von der Studentin bis zum Mechatroniker, jeweils mit realistischen Annahmen zu Einkommen und gewünschter Absicherungshöhe.
Die Versicherungsbedingungen gehen zu 75 Prozent in das Qualitätsurteil ein. Geprüft werden unter anderem der Verzicht auf die abstrakte Verweisung, die Sechs-Monats-Prognose, die Nachversicherungsgarantie und die Möglichkeit zur Stundung bei Zahlungsschwierigkeiten - insgesamt bewertet Stiftung Warentest hier zehn Einzelkriterien.
Die Ergebnisse lassen sich zudem nach Zusatzleistungen filtern, etwa nach einer Dienstunfähigkeitsklausel für Beamte - so lässt sich der individuell passende Testsieger leichter finden, statt sich nur an der Gesamtnote zu orientieren.
Neben dem Bedingungsurteil veröffentlicht Stiftung Warentest auch konkrete Beispielbeiträge für die Modellkunden - diese dienen vor allem der groben Orientierung, da individuelle Beiträge je nach persönlicher Risikoprüfung teils deutlich abweichen können. Wichtig ist außerdem: Der Test bewertet die zum Prüfzeitpunkt aktuellen Tarife der jeweiligen Gesellschaft - ältere Bestandsverträge desselben Versicherers mit abweichenden Bedingungen sind davon nicht automatisch erfasst. Wer eine bereits bestehende BU überprüfen möchte, sollte daher gezielt nach dem eigenen Tarifnamen suchen statt sich nur auf den allgemeinen Ruf des Versicherers zu verlassen.
Damit die Bewertung nachvollziehbar bleibt, veröffentlicht Stiftung Warentest neben der Gesamtnote auch die Einzelkriterien, anhand derer das Bedingungsurteil zustande kommt. Wer die Testtabellen selbst liest, sollte diese Kriterien kennen, um Unterschiede zwischen den Anbietern richtig einzuordnen:
| Kriterium | Worauf es ankommt |
|---|---|
| Verweisung | Verzicht auf abstrakte Verweisung, enge Fassung der konkreten Verweisung |
| Prognosezeitraum | möglichst kurze Frist bis zur Anerkennung |
| Rückwirkende Leistung | Zahlung ab tatsächlichem Eintritt, nicht erst ab Anerkennung |
| Nachversicherung | Höhe der Obergrenzen und Anzahl der anerkannten Ereignisse |
| Dynamik | planmäßige Erhöhung von Beitrag und Rente ohne Gesundheitsprüfung |
| Beitragsstundung | Möglichkeit zur vorübergehenden Aussetzung bei Zahlungsschwierigkeiten |
| Umorganisation | Verzicht auf die Prüfung bei Selbstständigen mit kleinem Betrieb |
| Weltweiter Schutz | Gültigkeit der Absicherung auch im Ausland |
| Auskunftsrecht | Transparenz über Ablehnungsgründe im Leistungsfall |
| Nachprüfung | faire, formal begrenzte Regeln für spätere Überprüfungen |
Auffällig ist, dass sich viele dieser Kriterien mit den 20 wichtigen Bedingungsmerkmalen decken, die auch unabhängig von Testinstituten für einen guten BU-Vertrag entscheidend sind - eine ausführliche Erklärung aller Klauseln liefert der Ratgeber Die 17 wichtigsten BU-Klauseln.
| Merkmal | Morgen & Morgen | Franke & Bornberg |
|---|---|---|
| Fokus | Detailtiefe der Bedingungen | Bedingungen + finanzielle Stabilität |
| Notenskala | 1–5 Sterne | F bis FFF+ |
| Besonderheit | sehr granulare Kriterienkataloge | eigenes BU-Stabilitätsrating |
| Zielgruppe | Makler, Verbraucher | Makler, Verbraucher |
Während Morgen & Morgen mit einem sehr detaillierten Kriterienkatalog vor allem die Feinheiten der Versicherungsbedingungen bewertet, legt Franke & Bornberg zusätzlich Wert auf die langfristige finanzielle Stabilität eines Versicherers und vergibt dafür ein separates BU-Stabilitätsrating - relevant, da ein BU-Vertrag oft jahrzehntelang laufen soll.
Für Makler und Berater sind diese beiden Ratingagenturen oft die wichtigste Arbeitsgrundlage, da sie deutlich granularere Vergleichstabellen liefern als ein für Endverbraucher aufbereiteter Test. Morgen & Morgen zerlegt die Bedingungen dabei häufig in mehrere Dutzend Einzelkriterien, die jeweils gewichtet in die Sternebewertung einfließen - von der genauen Formulierung der Verweisungsklausel bis zu Detailregelungen bei der Nachversicherung. Franke & Bornberg wiederum kombiniert diese Bedingungsanalyse mit einer eigenständigen Bewertung der wirtschaftlichen Substanz des jeweiligen Versicherungsunternehmens - etwa anhand von Solvabilitätskennzahlen und der Entwicklung der Überschussbeteiligung über mehrere Jahre hinweg.
Ein BU-Vertrag wird häufig schon in jungen Jahren abgeschlossen und kann über 40 Jahre oder länger laufen, bevor er überhaupt in Anspruch genommen wird. Ein Versicherer, der in dieser Zeit in wirtschaftliche Schwierigkeiten gerät, kann gezwungen sein, Überschüsse zu kürzen oder im Extremfall den Bestand an einen anderen Versicherer zu übertragen. Ratings wie das BU-Stabilitätsrating von Franke & Bornberg sollen genau dieses Risiko für Verbraucher greifbarer machen, auch wenn eine Insolvenz eines deutschen Lebens- oder BU-Versicherers dank der Sicherungseinrichtung Protektor bislang die absolute Ausnahme geblieben ist.
Neben den bekannteren Instituten liefern weitere Analysehäuser ergänzende Perspektiven: Das Deutsche Finanz-Service Institut (DFSI) bewertet BU-Tarife regelmäßig differenziert nach Berufsgruppen. Ascore veröffentlicht ein BU-Produkt-Scoring, das sowohl selbstständige BU-Tarife (SBU) als auch Berufsunfähigkeitszusatzversicherungen (BUZ) nach einem umfangreichen Kriterienkatalog bewertet. Das Institut für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) veröffentlicht ein Rating, das speziell die Eignung verschiedener SBU-Tarife für unterschiedliche Berufsgruppen untersucht.
Der Vorteil dieser spezialisierten Institute liegt oft in der berufsgruppenspezifischen Auswertung: Während allgemeine Testberichte meist mit wenigen Modellkunden arbeiten, bilden DFSI, Ascore und IVFP teilweise deutlich breitere Berufsspektren ab - von handwerklichen Tätigkeiten über medizinische Berufe bis hin zu Führungspositionen. Wer in einem eher untypischen oder speziellen Beruf tätig ist, findet hier mitunter differenziertere und praxisnähere Hinweise als in den breiter angelegten Verbrauchertests. Allerdings sind diese Ratings oft weniger bekannt und für Laien schwerer zugänglich als etwa die Ergebnisse von Stiftung Warentest, die regelmäßig in den Medien aufgegriffen werden.
Wer sich intensiver mit den Details dieser spezialisierten Ratings befassen möchte, findet die vollständigen Analysen meist über die jeweiligen Institutswebseiten oder über unabhängige Versicherungsmakler, die im Rahmen ihrer Beratung Zugriff auf die entsprechenden Datenbanken haben. Für die eigene erste Orientierung reicht in der Regel jedoch bereits ein Blick auf die bekannteren Tests von Stiftung Warentest, Morgen & Morgen und Franke & Bornberg vollkommen aus.
BU-Bedingungen entwickeln sich am Markt kontinuierlich weiter - Versicherer verbessern ihre Klauseln regelmäßig, um im Wettbewerb zu bestehen. Ein Testergebnis von vor mehreren Jahren kann daher veraltet sein. Es lohnt sich, möglichst aktuelle Testberichte heranzuziehen und im Zweifel direkt beim Versicherer nachzufragen, ob sich die Bedingungen seit der letzten Testveröffentlichung verändert haben.
Weil heute viele BU-Tarife ein hohes Bedingungsniveau erreichen, liegen die Anbieter in den Tests oft eng beieinander. Eine Bestnote bedeutet nicht automatisch, dass genau dieser Tarif für Ihre individuelle Situation der beste ist - entscheidend sind Beruf, Gesundheitshistorie, gewünschte Rentenhöhe, Laufzeit, Dynamik und Nachversicherungsoptionen.
Ein BU-Test kann daher immer nur der Einstieg in den Vergleich sein, nicht der Endpunkt. Wer Vorerkrankungen hat, sollte selbst bei einem testsiegenden Tarif vor Antragstellung eine anonyme Risikovoranfrage stellen - mehr dazu im Ratgeber Berufsunfähigkeitsversicherung vergleichen.
Ein weiterer Grund zur Vorsicht: Testkriterien werden von den Instituten regelmäßig angepasst, sodass sich Rankings von Jahr zu Jahr verschieben können, ohne dass sich am zugrundeliegenden Tarif selbst überhaupt etwas geändert hat. Ein Anbieter, der dieses Jahr die Bestnote knapp verpasst, kann im Vorjahr noch Testsieger gewesen sein und umgekehrt. Wer einen Vertrag über Jahrzehnte behalten möchte, sollte sich daher nicht zu stark an der Momentaufnahme eines einzelnen Testjahrgangs orientieren, sondern die grundsätzliche, seit Jahren stabile Bedingungsqualität und finanzielle Substanz eines Anbieters betrachten. Ein Versicherer, der über zehn oder mehr Jahre hinweg konstant gute Bewertungen erhält, verdient dabei tendenziell mehr Vertrauen als ein einmaliger Testsieger eines einzigen Jahrgangs.
Letztlich sollte eine Testnote immer als ein Baustein unter mehreren betrachtet werden - neben der individuellen Risikoeinschätzung durch den eigenen Gesundheitszustand, dem passenden Beitrag und einer Bedingungsprüfung, die genau auf die persönliche Berufssituation zugeschnitten ist. Diese Kombination aus mehreren Perspektiven liefert erfahrungsgemäß die verlässlichste Entscheidungsgrundlage.
Testnoten helfen, eine erste Auswahl von fünf bis zehn Anbietern mit solidem Bedingungsniveau zu treffen.
Da jedes Institut andere Schwerpunkte setzt, liefert ein Abgleich mehrerer Testergebnisse ein vollständigeres Bild.
Beispielrechnungen basieren auf Modellkunden - die eigene Situation kann bei Beruf, Alter oder Gesundheit deutlich abweichen.
Wer bestimmte Klauseln benötigt - etwa eine Infektionsklausel oder DU-Klausel - sollte gezielt danach filtern statt nur auf die Gesamtnote zu schauen.
Ein häufiger Fehler besteht darin, allein den Tarif mit der besten Gesamtnote auszuwählen, ohne die eigene Situation zu berücksichtigen. Ein Testsieger, der beispielsweise besonders strenge Gesundheitsfragen zu psychischen Erkrankungen stellt, kann für jemanden mit einer entsprechenden Vorbelastung ungünstiger sein als ein im Gesamtranking niedriger platzierter Tarif mit milderen Fragen zu genau diesem Themenbereich. Wie sich die eigene Gesundheitshistorie am besten für den Antrag aufbereiten lässt, erklärt der Ratgeber Gesundheitsfragen bei der BU.
Sinnvoll ist es außerdem, Testergebnisse als eine von mehreren Informationsquellen zu behandeln - neben unabhängigen Vergleichen lohnt sich häufig auch ein Blick auf Erfahrungsberichte bereits Versicherter sowie eine persönliche Beratung, die die eigene Lebenssituation ganzheitlich berücksichtigt. Gerade bei komplexeren Fällen, etwa bei mehreren Vorerkrankungen oder einem selten versicherten Beruf, kann eine fachkundige Einschätzung mehr wert sein als die beste Testnote.
Vor allem Stiftung Warentest, Morgen & Morgen, Franke & Bornberg sowie DFSI, Ascore und IVFP.
Im Test 6/2026 wurden 56 Angebote geprüft, ein Großteil davon erreicht die Bestnote "Sehr gut".
Vor allem die Versicherungsbedingungen (75 % des Urteils), Beispielbeiträge und Zusatzleistungen wie die Dienstunfähigkeitsklausel.
Morgen & Morgen fokussiert sich auf Bedingungsdetails, Franke & Bornberg bezieht zusätzlich die finanzielle Stabilität des Versicherers ein.
Nein, eine gute Note ist nur ein guter Einstieg - die individuelle Situation entscheidet über den passenden Tarif.
Sie zeigt vorab die tatsächlichen Annahmechancen bei Vorerkrankungen, unabhängig von der allgemeinen Testnote.
Unter anderem Verweisung, Prognosezeitraum, rückwirkende Leistung, Nachversicherung, Dynamik, Beitragsstundung, Umorganisation, weltweiten Schutz, Auskunftsrecht und die Nachprüfungsregeln.
Weil jedes Institut andere Schwerpunkte setzt - erst der Abgleich mehrerer Quellen ergibt ein vollständigeres Bild eines Tarifs.
Möglichst aktuell, da sich Bedingungswerke laufend und kontinuierlich weiterentwickeln und ältere Tests den heutigen Stand nicht mehr korrekt abbilden können.
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