BU-Bedarfsrechner · Stand August 2026

Wie hoch sollte Ihre BU-Rente sein?

Die Höhe der BU-Rente ist eine der wichtigsten Entscheidungen beim Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung - wichtiger oft als die Wahl des Versicherers. Dieser Ratgeber erklärt, wie Sie den passenden Betrag seriös ermitteln, und stellt Ihnen dafür einen einfachen Bedarfsrechner zur Verfügung.

Zu niedrig gewählt: Lücke im Ernstfall ✓ Faustregel: 70-80 % des Nettoeinkommens
Faustregel
70-80 % des Nettoeinkommens
Gesetzliche EM-Rente
Ø ca. 1.040 €/Monat brutto
Selbstständige
eher am oberen Rand kalkulieren
Spätere Erhöhung
meist nur mit Nachversicherungsgarantie
Grundlagen

Warum die richtige BU-Rentenhöhe so entscheidend ist

Kurzantwort

Eine zu niedrige Rente reicht im Ernstfall nicht zum Leben, eine unnötig hohe Rente treibt den Beitrag ohne echten Zusatznutzen in die Höhe.

Bei der Wahl einer Berufsunfähigkeitsversicherung konzentrieren sich viele Interessenten zuerst auf den Versicherer, die Vertragsklauseln oder den monatlichen Beitrag - die Höhe der versicherten Rente gerät dabei oft in den Hintergrund. Dabei ist genau diese Zahl am Ende entscheidend dafür, ob die Absicherung im Ernstfall tatsächlich funktioniert: Eine BU-Rente, die zu niedrig bemessen ist, kann selbst bei einem ansonsten hervorragenden Vertrag dazu führen, dass die monatlichen Fixkosten nicht mehr gedeckt werden können.

Gleichzeitig ist eine übertrieben hohe Rente ebenfalls keine gute Lösung: Der Beitrag steigt proportional zur Rentenhöhe, und viele Versicherer verlangen ab einer bestimmten Summe zusätzliche Einkommensnachweise oder lehnen eine überhöhte Absicherung im Verhältnis zum tatsächlichen Einkommen sogar ab. Die richtige Rentenhöhe zu finden bedeutet also, eine Balance zwischen ausreichendem Schutz und einem vertretbaren Beitrag zu finden - und genau dabei hilft eine strukturierte Bedarfsermittlung, wie sie in diesem Ratgeber und im weiter unten eingebundenen Bedarfsrechner beschrieben wird.

Hinzu kommt ein psychologischer Aspekt: Wer sich intensiv mit der eigenen Bedarfsermittlung auseinandersetzt, entwickelt in der Regel auch ein realistischeres Verständnis dafür, welche finanziellen Konsequenzen eine tatsächliche Berufsunfähigkeit hätte. Diese bewusste Auseinandersetzung ist ein wichtiger Schritt, um die BU-Versicherung nicht als bloße Pflichtübung, sondern als sinnvolle, gut durchdachte Absicherung der eigenen Existenzgrundlage zu verstehen.

Nicht zuletzt zeigt die eigene Bedarfsermittlung auch, an welchen Stellen sich ein Gespräch mit einem unabhängigen Berater lohnt: Wer bereits eine grobe Vorstellung von der passenden Rentenhöhe mitbringt, kann ein Beratungsgespräch deutlich zielgerichteter führen, als wenn diese zentrale Frage komplett offen bliebe.

Orientierungswert

Die 70-80-Prozent-Faustregel für die BU-Rente im Detail

Kurzantwort

Als grobe Orientierung gelten 70 bis 80 Prozent des aktuellen Nettoeinkommens als sinnvolle BU-Rente.

Die in der Beratungspraxis am häufigsten genannte Faustregel empfiehlt eine BU-Rente in Höhe von 70 bis 80 Prozent des aktuellen monatlichen Nettoeinkommens. Diese Spanne berücksichtigt, dass im Berufsunfähigkeitsfall zwar das Erwerbseinkommen wegfällt, gleichzeitig aber auch bestimmte berufsbedingte Ausgaben entfallen - etwa Fahrtkosten zur Arbeit, Verpflegungsmehraufwand oder berufliche Kleidung. Eine vollständige Absicherung von 100 Prozent des Nettoeinkommens ist daher in den meisten Fällen weder notwendig noch besonders wirtschaftlich, da der zusätzliche Beitrag für die letzten 20 bis 30 Prozentpunkte häufig unverhältnismäßig hoch ausfällt.

Diese Faustregel ist jedoch, wie der Name schon sagt, nur ein grober Orientierungswert und kein individuell berechneter Bedarf. Menschen mit hohen fixen Verpflichtungen - etwa einer noch laufenden Immobilienfinanzierung oder mehreren unterhaltspflichtigen Kindern - sollten eher am oberen Rand oder sogar leicht darüber kalkulieren. Wer dagegen bereits schuldenfrei ist, über nennenswertes Vermögen verfügt oder mit einem gut verdienenden Partner zusammenlebt, kann unter Umständen auch mit einer niedrigeren Quote gut abgesichert sein.

Individuelle Anpassung

Was in die Berechnung der BU-Rente einfließen sollte

Eine seriöse Bedarfsermittlung geht über die reine Prozentrechnung vom Nettoeinkommen hinaus und bezieht weitere Faktoren der individuellen Lebenssituation mit ein. Dazu zählen an erster Stelle die monatlichen Fixkosten: Miete oder Kreditraten für die eigene Immobilie, Versicherungsbeiträge, Unterhaltszahlungen und andere regelmäßige Verpflichtungen, die auch im Berufsunfähigkeitsfall unverändert weiterlaufen. Diese Fixkosten bilden gewissermaßen die Untergrenze, die die BU-Rente mindestens abdecken sollte, um eine finanzielle Notlage zu vermeiden.

Bestehende Absicherungen

Betriebliche BU, private Zusatzabsicherung oder ausreichendes Vermögen reduzieren den zusätzlichen Bedarf.

Familiensituation

Kinder, ein nicht erwerbstätiger Partner oder Unterhaltspflichten erhöhen den finanziellen Absicherungsbedarf.

Laufende Kredite

Eine Immobilienfinanzierung läuft im BU-Fall meist unverändert weiter und muss eingeplant werden.

Gesetzliche Erwerbsminderungsrente

Nur für vor 1961 Geborene relevant in ausreichender Höhe - für die meisten heute kaum noch eine Rolle.

Auch die gesetzliche Erwerbsminderungsrente sollte in die Überlegung einbezogen werden, allerdings mit der richtigen Erwartungshaltung: Sie liegt im Durchschnitt bei nur rund 1.040 Euro monatlich brutto und reicht für die meisten Berufstätigen bei Weitem nicht aus, um den gewohnten Lebensstandard zu halten. Wer jedoch bereits durch eine bestehende betriebliche BU, eine Beamtenversorgung oder ein Versorgungswerk teilweise abgesichert ist, sollte diese Leistungen von der insgesamt benötigten privaten BU-Rente abziehen, um keine unnötige Doppelabsicherung aufzubauen.

Auch die eigene Altersstruktur der Familie sollte in die Überlegung einfließen: Wer mit kleinen Kindern noch viele Jahre Betreuungs- und Ausbildungskosten vor sich hat, benötigt in der Regel eine höhere Absicherung als jemand, dessen Kinder bereits wirtschaftlich selbstständig sind. Auch die Frage, ob ein Partner im Ernstfall zusätzlich zum Familieneinkommen beitragen könnte, etwa durch eine Ausweitung der eigenen Erwerbstätigkeit, spielt bei der realistischen Einschätzung des tatsächlichen Absicherungsbedarfs eine Rolle.

Sonderfall

Besonderheiten der BU für Selbstständige und Freiberufler

Kurzantwort

Selbstständige sollten wegen fehlendem Krankengeld eher am oberen Rand der Faustregel kalkulieren.

Für Selbstständige und Freiberufler gelten bei der Bedarfsermittlung besondere Überlegungen: Anders als Angestellte erhalten sie im Krankheitsfall in der Regel kein Krankengeld der gesetzlichen Krankenkasse, das die ersten Wochen oder Monate einer Erkrankung finanziell überbrücken könnte. Zusätzlich fehlt vielen Selbstständigen eine ausreichende Absicherung über die gesetzliche Rentenversicherung, da sie häufig nicht oder nur in geringem Umfang einzahlen. Diese doppelte Lücke spricht dafür, die BU-Rente eher am oberen Rand der 70-bis-80-Prozent-Spanne oder sogar leicht darüber zu kalkulieren - mehr zu den besonderen Herausforderungen dieser Berufsgruppe im Ratgeber BU für Selbstständige.

Auch schwankende Einkommen erschweren bei Selbstständigen die Bedarfsermittlung zusätzlich: Statt eines einzelnen Monatsgehalts sollte hier eher ein Durchschnitt der letzten zwei bis drei Jahre als Berechnungsgrundlage herangezogen werden, um einen realistischen, nicht durch einzelne besonders gute oder schlechte Monate verzerrten Wert zu erhalten.

Auch bei der Wahl des Endalters sollten Selbstständige besonders sorgfältig vorgehen: Während Angestellte meist bis zum gesetzlichen Renteneintrittsalter arbeiten, planen viele Selbstständige und Freiberufler, deutlich länger aktiv zu bleiben - sei es aus wirtschaftlicher Notwendigkeit oder persönlicher Motivation. Wer plant, über das reguläre Rentenalter hinaus zu arbeiten, sollte dies bei der Wahl der Vertragslaufzeit berücksichtigen, um keine Absicherungslücke in den späteren Berufsjahren zu riskieren.

Häufige Stolperfallen

Typische Fehler bei der BU-Bedarfsermittlung

In der Beratungspraxis wiederholen sich einige Fehler bei der Ermittlung der passenden Rentenhöhe immer wieder. Der häufigste ist eine zu niedrige Einschätzung des tatsächlichen Bedarfs, meist aus dem Wunsch heraus, den monatlichen Beitrag möglichst gering zu halten. Diese Ersparnis rächt sich jedoch genau dann, wenn die Absicherung tatsächlich gebraucht wird - eine zu knapp bemessene Rente kann im Ernstfall über Jahre oder Jahrzehnte hinweg zu finanziellen Engpässen führen, die sich später kaum noch korrigieren lassen.

Ein zweiter häufiger Fehler ist das genaue Gegenteil: eine überdimensionierte Rente, die primär aus einem übertriebenen Sicherheitsbedürfnis heraus gewählt wird, ohne die tatsächlichen Fixkosten und die Familiensituation realistisch zu betrachten. Dies führt zu einem unnötig hohen Beitrag, der die Vertragslaufzeit über hinweg deutlich mehr kostet, als tatsächlich nötig wäre - Geld, das an anderer Stelle, etwa für den Vermögensaufbau, sinnvoller eingesetzt werden könnte.

Die gesetzliche Absicherung nicht überschätzen

Ein dritter, besonders folgenschwerer Fehler ist die Annahme, die gesetzliche Rentenversicherung würde im Ernstfall schon ausreichend einspringen. Mit durchschnittlich nur rund 1.040 Euro monatlich brutto reicht die gesetzliche Erwerbsminderungsrente für die allermeisten Berufstätigen bei Weitem nicht aus, um den gewohnten Lebensstandard zu halten.

Ein vierter, seltener genannter Fehler betrifft die Vernachlässigung der Inflation über die lange Vertragslaufzeit hinweg: Eine heute angemessen erscheinende Rentenhöhe kann nach zwanzig oder dreißig Jahren durch die schleichende Geldentwertung real deutlich weniger wert sein. Wer eine Beitragsdynamik vereinbart, die Beitrag und Rentenhöhe regelmäßig automatisch anpasst, kann diesem Effekt entgegenwirken, ohne bei jeder Anpassung erneut eine Gesundheitsprüfung durchlaufen zu müssen.

Ein letzter, häufig übersehener Aspekt ist die fehlende Berücksichtigung möglicher künftiger Einkommenssteigerungen: Wer am Anfang der Karriere steht und mit einem spürbaren Gehaltswachstum rechnet, sollte bereits beim Abschluss auf eine Nachversicherungsgarantie achten, die eine spätere Anpassung der Rentenhöhe an das gestiegene Einkommen ohne erneute Gesundheitsprüfung ermöglicht.

Zum Ausprobieren

Der BU-Bedarfsrechner: jetzt ausprobieren

Bewusst kein Rechner, der Ihnen einen erfundenen Beitrag vorgaukelt: Dieses Tool beantwortet die wichtigere Frage - wie hoch die BU-Rente sein sollte, damit sie im Ernstfall wirklich reicht.

Empfohlene BU-Rente (Richtwert)
1.750 € / Monat

Faustregel: rund 70-80 % des Nettoeinkommens abzüglich bereits bestehender Absicherung. Selbstständige und Freiberufler sollten eher am oberen Rand kalkulieren, da im Krankheitsfall kein Krankengeld der gesetzlichen Krankenkasse greift. Dieser Wert ist eine grobe Orientierung, keine individuelle Beratung.

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Möchten Sie stattdessen wissen, was eine BU nach Beruf, Alter und gewünschter Rente ungefähr kosten könnte? Das übernimmt der BU-Rechner mit einer unverbindlichen Beitragsschätzung.

Zum Mitnehmen

Checkliste zur BU-Rentenhöhe

Faustregel als Startpunkt nutzen

70 bis 80 Prozent des Nettoeinkommens als erste Orientierung ansetzen.

Fixkosten realistisch einbeziehen

Miete, Kredite und laufende Verpflichtungen in die Berechnung mit aufnehmen.

Bestehende Absicherungen abziehen

Betriebliche BU oder Vermögen verringern den zusätzlichen privaten Bedarf.

Nachversicherungsgarantie einplanen

Ermöglicht spätere Erhöhungen ohne erneute Gesundheitsprüfung bei bestimmten Ereignissen.

Wer diese Punkte beachtet, kommt zu einer Rentenhöhe, die weder unnötig teuer noch im Ernstfall zu knapp bemessen ist - und damit zu einer Absicherung, die tatsächlich trägt, wenn sie gebraucht wird.

Zusätzlich lohnt sich vor dem Abschluss ein kurzer Realitätscheck: Wie lange würde das eigene Vermögen oder Erspartes reichen, um die monatlichen Fixkosten ohne jede Absicherung zu decken? Wer diese Frage für sich beantwortet, bekommt ein deutlich klareres Gefühl dafür, wie dringend eine ausreichend hohe BU-Rente tatsächlich ist - und kann diese Erkenntnis direkt in die eigene Bedarfsermittlung einfließen lassen.

Häufige Fragen

Rentenhöhe bei der BU: die wichtigsten Antworten

Wie hoch sollte meine BU-Rente sein?

Als grobe Faustregel 70 bis 80 Prozent des Nettoeinkommens, abzüglich bestehender Absicherungen.

Warum nicht einfach die höchstmögliche BU-Rente versichern?

Der Beitrag steigt proportional zur Rentenhöhe, und viele Versicherer begrenzen die maximale Rente ohnehin auf einen Anteil des nachgewiesenen Einkommens.

Was passiert, wenn die BU-Rente zu niedrig gewählt wurde?

Eine spätere Erhöhung ist meist nur mit erneuter Gesundheitsprüfung möglich - außer bei vereinbarter Nachversicherungsgarantie.

Sollten Selbstständige bei der BU-Rente anders rechnen als Angestellte?

Ja, wegen fehlendem Krankengeld und oft geringerer gesetzlicher Absicherung eher am oberen Rand der Faustregel kalkulieren.

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