Anbieter im Vergleich · Stand August 2026

WWK Berufsunfähigkeitsversicherung im Überblick

Die WWK ist ein traditionsreicher Münchner Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit. In der Berufsunfähigkeitsversicherung kam es 2016 und 2017/2018 jedoch zu dokumentierten, massiven Beitragserhöhungen, die das Vertrauen vieler Vermittler nachhaltig erschütterten.

✓ Substanzstarker VVaG mit über 1 Mrd. € Beitragseinnahmen ✘ Beitragserhöhung 2017/2018 von teilweise über 30 % ✘ Seither deutlich geringere Rolle im BU-Maklermarkt
Gegründet
1884 in München
Rechtsform
Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit
Kunden
Rund 1 Million
Beitragserhöhung 2016
Rund 20 %
Beitragserhöhung Dez. 2017
Teils über 30 %
Der Versicherer

Von der Beamten-Witwenkasse zum VVaG

Die WWK wurde 1884 als "Unterstützungskasse für die Witwen und Waisen des Bayrischen Verkehrsbeamtenvereins" gegründet - zunächst als reiner Selbsthilfeverein. 1915 war sie Gründungsmitglied des Verbands der Lebensversicherungsvereine der bayrischen Staatsbeamten, 1920 wurde die Rechtsform endgültig als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit festgelegt. In den folgenden Jahrzehnten schlossen sich zahlreiche kleinere Versicherungsvereine und Sterbekassen der WWK an, darunter der Lebensversicherungsverein der Lokomotivführer Süddeutschlands und der Volks- und Lebensversicherungsverein Harmonie aus Nürnberg.

Heute besteht die WWK-Versicherungsgruppe im Wesentlichen aus der WWK Lebensversicherung a.G. als Muttergesellschaft, der WWK Allgemeine Versicherung AG, der WWK Pensionsfonds AG sowie der WWK Investment S.A. Mit Beitragseinnahmen von über einer Milliarde Euro zählt die WWK Lebensversicherung zu den 25 größten Lebensversicherern Deutschlands und betreut rund eine Million Kunden. Das Kerngeschäft der WWK liegt heute in der fondsgebundenen Lebensversicherung und entsprechenden Hybridprodukten.

Dokumentiertes Ereignis

Die erste Beitragserhöhung 2016

Im Jahr 2016 kam es bei der WWK-Berufsunfähigkeitsversicherung zu einer ersten, spürbaren Beitragserhöhung für viele Berufsgruppen - in einem dokumentierten Beispielfall stieg der Nettobeitrag um rund 20 Prozent innerhalb eines Jahres. Vor diesem Zeitpunkt hatte die WWK aktiv um freie Vermittler und Makler geworben, unter anderem mit vergleichsweise günstigen Zahlbeiträgen für akademische Berufsgruppen. Zahlreiche Vermittler hatten in dieser Phase entsprechend viele WWK-Verträge vermittelt.

Diese erste Erhöhung wurde von Fachmedien und spezialisierten Maklern zunächst als Einzelereignis eingeordnet - ein unerfreulicher, aber im Rahmen des grundsätzlich Möglichen liegender Vorgang, wie er bei verschiedenen Anbietern gelegentlich vorkommen kann, wenn sich eine Kalkulation als zu günstig herausstellt.

Dokumentiertes Ereignis

Die zweite, größere Erhöhung 2017/2018

Deutlich gravierender war eine zweite Erhöhung, die zum 21. Dezember 2017 - drei Tage vor Heiligabend - bei betroffenen Kunden einging. In einem von mehreren Fachmedien dokumentierten Fall stieg der Nettobeitrag eines Kunden von 1.089 Euro auf knapp 1.458 Euro - ein Plus von rund 34 Prozent. Bemerkenswert dabei: Noch im November desselben Jahres hatte derselbe Kunde einen "normalen" Nachtrag erhalten, bei dem lediglich die vereinbarte Beitragsdynamik von 3 Prozent griff - ein Erhöhungsschritt, der zugleich die abgesicherte Leistung entsprechend anhob und daher unproblematisch war.

Über diese zweite, wesentlich größere Erhöhung berichteten neben der ursprünglich aufmerksam gewordenen Finanzberatung Bierl auch das Portal Versicherungsbote, das Fachmagazin Pro Contra unter dem Titel "Hat sich die WWK verkalkuliert?" sowie das Branchenmagazin Pfefferminzia - alle drei bestätigten unabhängig voneinander die Größenordnung und die Umstände der Erhöhung. Für Verärgerung sorgte dabei nicht nur die Höhe der Erhöhung selbst, sondern auch der Zeitpunkt der Information wenige Tage vor Weihnachten.

Rechtlicher Hintergrund

Wie die Erhöhung technisch zustande kam

Rechtlich erfolgte die Erhöhung nicht über eine direkte Anhebung des vertraglich vereinbarten Bruttobeitrags - dieser stellt ohnehin den theoretischen Maximalbeitrag dar und bleibt bei den meisten BU-Verträgen über die Laufzeit unverändert. Stattdessen erfolgte die Erhöhung über eine Reduzierung der Überschussbeteiligung. Für den tatsächlich zu zahlenden Nettobeitrag der Versicherten hatte dieser Mechanismus in der Praxis aber denselben spürbaren Effekt wie eine reguläre Beitragserhöhung - der monatlich tatsächlich fällige Betrag stieg deutlich an, ohne dass sich die versicherte Leistung erhöht hätte.

Dieser rechtliche Mechanismus ist grundsätzlich in der Berufsunfähigkeitsversicherung nicht unüblich und wird über den Paragrafen 163 des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) geregelt. Entscheidend für Kunden ist aber weniger die juristische Einordnung als die tatsächliche finanzielle Belastung, die im Fall der WWK ungewöhnlich stark und für viele Betroffene völlig überraschend ausfiel.

Auswirkungen

Die Folgen für Vertrauen und Marktrolle

Nach diesen beiden Erhöhungen verzeichnete die WWK nach übereinstimmenden Berichten mehrerer Marktbeobachter einen deutlichen Rückgang im Neugeschäft der Berufsunfähigkeitsversicherung. Zahlreiche unabhängige Vermittler verloren das Vertrauen in die Kalkulationsbeständigkeit der WWK und empfehlen die Gesellschaft seither in der BU-Beratung nur noch selten. Ein strukturelles Risiko solcher Vorgänge liegt zudem in der sogenannten Negativauslese: Gesunde Versicherte, die problemlos zu einem anderen Anbieter wechseln können, tun dies in der Regel auch - während Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen, die keinen neuen Vertrag mehr abschließen könnten, im bestehenden Kollektiv verbleiben.

Die Berufsunfähigkeitssparte wird von der WWK zwar weiterhin angeboten, spielt im freien Maklermarkt seit diesen Ereignissen aber nur noch eine untergeordnete Rolle. Nach Einschätzung spezialisierter BU-Makler bieten praktisch alle etablierten Wettbewerber in ihren vergleichbaren Tarifstufen inzwischen eine deutlich wettbewerbsfähigere technische Ausgestaltung als die aktuellen WWK-Tarife.

Praxis-Einordnung

Praktische Einordnung für Interessenten

Wichtig für die eigene Einordnung: Wer bereits einen bestehenden WWK-BU-Vertrag besitzt, sollte nicht überstürzt kündigen. Der Versicherungsschutz besteht trotz einer erfolgten Beitragserhöhung grundsätzlich weiter, und ein Neuabschluss bei einem anderen Anbieter würde in der Regel eine erneute, unter Umständen ungünstigere Gesundheitsprüfung erfordern. Betroffene sollten die eigene Situation individuell und sorgfältig prüfen, bevor eine Entscheidung über einen möglichen Wechsel fällt - idealerweise mit unabhängiger Beratung.

Für Neuinteressenten gilt dagegen eine klarere Empfehlung: Die dokumentierten Ereignisse von 2016 und 2017/2018 sowie die seither eingeschränkte technische Wettbewerbsfähigkeit der WWK-Tarife sprechen dafür, beim Neuabschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung andere, im aktuellen Marktvergleich besser positionierte Anbieter genau zu prüfen.

Zielgruppen im Überblick

Für wen die WWK geeignet ist

Eignung der WWK BU nach Zielgruppe
ZielgruppeEignungBesonderheit
Bestehende WWK-BU-KundenIndividuell prüfen, nicht überstürzt kündigenWechsel erfordert neue Gesundheitsprüfung
Neuinteressenten für eine BUAndere Anbieter empfehlenswertDokumentierte Beitragserhöhungen, geringere Wettbewerbsfähigkeit
Interessenten an fondsgebundener LebensversicherungSeparat bewertenWWK-Kerngeschäft liegt hier, unabhängig von der BU-Bewertung
Häufige Fragen

WWK BU: die wichtigsten Antworten

Gab es bei der WWK Beitragserhöhungen in der BU?

Ja. 2016 kam es zu einer ersten Erhöhung von rund 20 Prozent für viele Berufsgruppen, im Dezember 2017 folgte eine zweite, deutlich größere Erhöhung von teilweise über 30 Prozent. Diese Ereignisse wurden von mehreren Fachmedien unabhängig voneinander berichtet.

Wie kam die Beitragserhöhung technisch zustande?

Über eine Reduzierung der Überschussbeteiligung, nicht über eine direkte Anhebung des Bruttobeitrags. Für den tatsächlichen Nettobeitrag hatte dies aber denselben Effekt wie eine reguläre Erhöhung.

Ist die WWK heute noch im BU-Maklermarkt relevant?

Nach den Erhöhungen 2016 und 2018 verlor die WWK erheblich an Vertrauen bei unabhängigen Vermittlern. Die Sparte wird weiterhin angeboten, spielt im freien Maklermarkt aber kaum noch eine Rolle.

Seit wann gibt es die WWK?

Die WWK wurde 1884 als Unterstützungskasse für die Witwen und Waisen des Bayrischen Verkehrsbeamtenvereins gegründet und ist seit 1920 als VVaG organisiert.

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