Die Mannheimer Lebensversicherung geriet Anfang der 2000er Jahre durch Börsenspekulation in eine Schieflage - ein historisch bedeutsamer Einzelfall, der zugleich zeigt, wie gut die Sicherungsmechanismen der deutschen Versicherungsbranche funktionieren.
Die Mannheimer Lebensversicherung geriet Anfang der 2000er Jahre in eine ernste wirtschaftliche Schieflage. Ursache war eine Börsenspekulation, die das Unternehmen letztlich "notleidend" machte - im Fachjargon die Bezeichnung für eine Gesellschaft, die ihre vertraglichen Verpflichtungen aus eigener Kraft nicht mehr vollständig erfüllen kann. Nach Einschätzung erfahrener Marktbeobachter kam erschwerend hinzu, dass die Mannheimer in der Berufsunfähigkeitsversicherung relativ häufig Sonderaktionen ohne Gesundheitsfragen durchgeführt hatte - eine Praxis, die dem Versichertenkollektiv langfristig eher schadet, da damit auch Risiken ins Kollektiv aufgenommen werden, die bei einer regulären Gesundheitsprüfung möglicherweise abgelehnt worden wären.
Ausschlaggebend für die eigentliche Schieflage war aber die Börsenspekulation selbst. Dieser Fall gilt in der Branche bis heute als eine Art Lehrstück: Seit diesem "Urknall" halten deutsche Lebensversicherer in der Regel deutlich weniger Aktienanteile in ihren Kapitalanlagen beziehungsweise sichern diese mit größeren Sicherheitspuffern ab - eine direkte Konsequenz aus den damaligen Ereignissen.
Entscheidend für alle betroffenen Versicherten: Die Bestände der Lebensversicherung - und damit auch der Berufsunfähigkeitsversicherung - wurden auf den Sicherungsfonds Protektor übertragen und dort über Jahre hinweg professionell verwaltet. Kein einziger Vertrag ging dabei verloren - ein wichtiger Beleg dafür, dass die in Deutschland etablierten Sicherungsmechanismen für Lebensversicherer im Ernstfall tatsächlich funktionieren. Protektor wurde eigens von der deutschen Versicherungswirtschaft als Auffangeinrichtung für genau solche Situationen gegründet.
Für die betroffenen Kunden bedeutete diese Übertragung in der Praxis vor allem eine Änderung des Vertragspartners und der Verwaltung - die grundlegenden vertraglichen Leistungsansprüche aus der Berufsunfähigkeitsversicherung blieben davon unberührt. Dieser historische Fall wird in der Fachwelt daher regelmäßig als Beispiel dafür herangezogen, wie unwahrscheinlich und zugleich wie gut abgesichert eine tatsächliche "Pleite" im Bereich der Berufsunfähigkeitsversicherung in Deutschland ist.
Im Jahr 2017 verkaufte Protektor einen Großteil der weiterhin laufenden Verträge an die Viridium Gruppe - ein auf die Verwaltung von Lebensversicherungsbeständen spezialisiertes Unternehmen, das inzwischen mehrere solcher Bestände verschiedener Ursprungsgesellschaften in Deutschland verwaltet. Als operative Verwaltungsgesellschaft setzte die Viridium Gruppe hierfür die Entis Lebensversicherung ein, die seither für die laufende Betreuung der ehemaligen Mannheimer-Verträge zuständig ist.
Für Bestandskunden der ehemaligen Mannheimer-BU bedeutet das: Die aktuelle Vertragsverwaltung erfolgt heute über die Entis Lebensversicherung im Rahmen der Viridium Gruppe, nicht mehr über Protektor und schon lange nicht mehr über die ursprüngliche Mannheimer Lebensversicherung selbst. Wer einen entsprechenden Altvertrag besitzt, sollte sich bei Fragen an diesen aktuellen Verwalter wenden.
Wichtig zur Einordnung: Die Sach- und Krankenversicherungssparten der Mannheimer waren von der beschriebenen Schieflage der Lebensversicherung nicht direkt betroffen - schließlich handelte es sich um rechtlich eigenständige Gesellschaften. Trotzdem wurden auch diese Sparten im Zuge der Neuordnung verkauft: Die Continentale erwarb die Mehrheit der Anteile an der Mannheimer in den Bereichen Sach- und Krankenversicherung. Eine ausführliche, unabhängige Darstellung der aktuellen Continentale-BU-Bedingungen finden Sie auf der Continentale-Anbieterseite.
Diese Aufspaltung in unterschiedliche Nachfolgestrukturen - Lebensversicherung über Protektor zur Viridium/Entis, Sach- und Krankenversicherung zur Continentale - ist ein typisches Muster bei der Abwicklung in Schwierigkeiten geratener Versicherungskonzerne und zeigt, wie unterschiedlich die einzelnen Sparten eines einst gemeinsamen Konzerns am Ende weiterleben können.
Der Fall der Mannheimer wird von unabhängigen Beratern regelmäßig als Beleg dafür angeführt, dass eine tatsächliche "Pleite" einer Berufsunfähigkeitsversicherung in Deutschland extrem unwahrscheinlich ist. Es gibt zahlreiche Mechanismen, die eine solche Pleite verhindern sollen, und in der gesamten Geschichte der Bundesrepublik kam es noch nicht vor, dass eine Berufsunfähigkeitsversicherung im eigentlichen Sinne "aufgelöst" wurde, ohne dass die Ansprüche der Versicherten gewahrt blieben. Der Mannheimer-Fall zeigt vielmehr, dass selbst im Ernstfall einer Schieflage die vertraglichen Ansprüche über Sicherungsmechanismen wie Protektor vollständig erhalten bleiben.
Für Interessenten, die sich grundsätzlich Sorgen über die langfristige Sicherheit einer Berufsunfähigkeitsversicherung machen, kann dieser historische Fall daher eher beruhigend als beängstigend wirken: Das System hat in der einzigen bislang bekannten ernsten Krise eines deutschen Lebensversicherers funktioniert und die Ansprüche der Versicherten vollständig geschützt.
| Situation | Einordnung | Empfehlung |
|---|---|---|
| Bestandskunden mit altem Mannheimer-BU-Vertrag | Vertrag bleibt bestehen | Verwaltung heute über Entis Lebensversicherung/Viridium |
| Kunden der Mannheimer Sach-/Krankenversicherung | Continentale kontaktieren | Diese Sparten gingen an die Continentale |
| Neuinteressenten mit Sicherheitsbedenken | Beruhigendes Beispiel | Zeigt Funktionsweise der Sicherungsmechanismen |
| Neuinteressenten für eine BU generell | Aktuelle Anbieter vergleichen | Mannheimer selbst nicht mehr als aktiver BU-Anbieter verfügbar |
Anfang der 2000er Jahre verspekulierte sich die Mannheimer an der Börse und wurde notleidend - der bislang einzige dokumentierte Fall dieser Art in der Geschichte der Bundesrepublik.
Nein. Die Bestände wurden auf den Sicherungsfonds Protektor übertragen und dort verwaltet. Kein Vertrag ging verloren.
2017 wurde ein Großteil der Verträge von Protektor an die Viridium Gruppe verkauft, die die Entis Lebensversicherung als Verwalter einsetzte.
Die Sach- und Krankenversicherungssparten waren nicht direkt betroffen, wurden aber ebenfalls verkauft. Die Continentale erwarb hier die Mehrheit.
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